Pius Parsch, St. Gertrud Altar, Taufbild

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Pius-Parsch-Kirche St. Gertrud

Geschichte von St. Gertrud

Die Kirche geht auf den Babenberger Markgrafen Leopold III. zurück, der die Augustiner Chorherren nach Klosterneuburg rief und die große Stiftskirche erbauen und 1136 weihen ließ. Zugleich entstand unweit davon (Leopoldstraße 31) ein Hospital mit einer kleinen Kirche als Raststätte für Pilger. Später fungierten diese als Heimstatt für Pflegebedürftige und Kranke. Schließlich diente sie als „Studentenkirche“ für die höheren Schulen und Studentenverbindungen Klosterneuburgs, bis im Jahr 1920 Pius Parsch hier seine innovative Liturgiegemeinde gründete. Die romanische Bausubstanz war durch die Jahrhunderte erhalten geblieben, aber zahlreiche Bauelemente hatten sich verändert. Die kleinen romanischen Fenster und Tore wurden in der Gotik vergrößert. Während der zweiten Türkenbelagerung 1683 brannten außerdem Dach und Turm ab, worauf im unter dem Turm liegenden Altarraum 1700 eine barocke Kuppel eingezogen wurde. Im ausgehenden 19. Jahrhundert war der Kirchenraum neugotisch ausgestaltet worden und und verblieb so, bis Pius Parsch 1935–36 die Kirche zusammen mit dem Architekten Robert Kramreiter (1905–1965) umgestaltete. Dabei wurde die Freilegung der romanischen Bausubstanz mit Elementen des Neuen Kirchenbaus verbunden, wie er unter dem Einfluss der deutschsprachigen Liturgischen Bewegung entstanden war.

Neue Idealgestalt

So wirkt die Kirche auch heute einfach und ursprünglich, beheimatend und doch sakral und „voll liturgischen Raumgefühls“ (Parsch). Parschs Vorbild bei der Umgestaltung war die frühchristliche Basilika, wie sie sich noch heute in San Clemente in Rom darstellt. Schon vor dem Umbau hatte Parsch den neugotischen, dem Volk abgewandten Altar mit einem Vorhang abgedeckt und benützte einen zum Volk gekehrten Altartisch, den er in der Mitte des Altarraums platzierte. Pius Parsch beschreibt den Raum: „Die Gliederung und Einteilung des Kirchleins entsprach dem liturgischen Ideal. Der Raum steigt in vier Stufen oder Teilen zur Höhe, die durch Steinbogen gegliedert und voneinander abgegrenzt sind. Durch den monumentalen Triumphbogen steigt man auf drei Stufen zum Opferraum empor. Dieser ist durch die Erhöhung, durch die Kuppel, durch die indirekte Beleuchtung ausgezeichnet. Der letzte Teil über dem Altarraum hinaus ist das Presbyterium, das mit der Apsis in der Symbolik der alten Kirche denn Himmel darstellt. Also eine wunderbare Steigerung, die dem Christenweg entspricht: Ringen um Erlösung [Atrium mit geplantem Taufbecken zum Hinabsteigen], Gemeinschaft der Heiligen [Schiff als Familienraum der Gemeinde], Opfer [Altarraum], Verklärung im Himmel [Apsis]“. Im Scheitelpunkt der Apsis wurde nach antikem Vorbild der erhöhte Vorstehersitz mit der Priesterbank errichtet, der dem Volk zugewandte Altar wurde aus Marmorstein erbaut und anstelle der früheren Kanzel trat – aus demselben Stein – ein Doppelambo, der niedere für Lesung und Antwortpsalm, der höhere für Evangelium und Predigt. Im Triumphbogen unmittelbar vor dem Altar prangt ein Gemmenkreuz als Zeichen des Sieges Christi in der Auferstehung.

Lebendig in der Gegenwart

Die Maßnahmen von damals waren bestimmt von der Leitidee der „aktiven Teilnahme“ der Gemeinschaft aller am gottesdienstlichen Vollzug. Sie lösten nach und nach die lateinische und allein vom Priester vollzogene alte Gestalt ab. Die neue in St. Gertrud entwickelte gemeinschaftliche Feiergestalt in Form der „Betsingmesse“ errang ihren entscheidenden internationalen Durchbruch am gesamtdeutschen Katholikentag 1933 in Schönbrunn mit 250.000 Mitfeiernden. Sie wurde (erweitert und vertieft) durch die Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils für die gesamte Weltkirche verbindlich. Daher weiß sich auch heute  – nach Pius Parsch und nach dem Konzil – das Stift Klosterneuburg in der pastoralen Pflicht, die Pius-Parsch-Kirche St. Gertrud als richtungweisendes Exempel für einen liturgiegerechten Raum lebendig zu erhalten und mit vorbildlichen Gottesdiensten und einer entsprechenden Gemeindeliturgie Impulse zu setzen. Seit vielen Jahren werden hier mit steigender Frequenz am Uranliegen Pius Parschs orientierte Gottesdienste gefeiert.

Wir laden Sie ein!

Jeden ersten Samstag im Monat findet um 18:00 Uhr eine Eucharistiefeier mit anschließender Agape statt. Der Gottesdienst beginnt um 17:45 Uhr mit der Vesper. Wir laden Sie herzlich ein, diese „Modellgottesdienste“ mitzufeiern, vor allem aber auch diese außergewöhnliche Kirche einmal kennenzulernen, in der nach Bedarf auch Führungen gehalten werden. Anmeldung zu einer Führung: pius.parsch@stift-klosterneuburg.at